„Es ist speziell, anderen Menschen wieder so nahe zu kommen“

von redaktion
Daniela Wildisen vor dem Spiegel im Salon

Daniela Wildisen, 37 ans, mariée, deux enfants. Depuis 14 ans, gérante d’un salon de coiffure à Hitzkirch (Lucerne) employant 5 personnes. Cet été, elle cédera son entreprise pour se consacrer un temps à sa famille.

(Fotostudio Hochdorf, Brigit Willimann )

Jetzt müssen viele Schweizerinnen und Schweizer improvisieren – für die meisten eine neue Erfahrung. In einer Serie stellen wir Menschen vor, die sich durch den Lockdown kämpfen. Welche Ängste haben sie durchlebt, welche Hoffnungen hegen sie? Seit Montag sind die Coiffeurgeschäfte wieder offen. Daniela Wildisen erzählt von ihren Erlebnissen.

Seit dem 16. März dreht sich die Welt in der Schweiz langsamer. 

Viele Menschen wurden von einem Tag auf den anderen vor grosse Herausforderungen gestellt. Wie kann der Dönerstandbetreiber mit weniger Laufkundschaft am Ende des Monats die Miete begleichen? Wie kann die Coiffeursalon-Besitzerin den Lohn ihrer Angestellten bezahlen? Oder wie kann ein selbständiges Paar, das sein Yoga- und Pilatesstudio schliessen musste, trotzdem ein Einkommen erzielen?

Auch wenn die Schweiz schrittweise wieder zur Normalität zurückkehrt: Die Kunst zu improvisieren bleibt gefragt.

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„Nachdem ich mich nun wochenlang durch administrative Dinge gekämpft habe, bin ich froh, dass ich mein Handwerk wieder ausüben kann. Die Wertschätzung der Leute ist wahnsinnig gross. Sie freuen sich, dass wir wieder offen haben. Und ich mich auch.

Doch an Normalbetrieb ist nicht zu denken: Wir arbeiten im Schichtbetrieb, damit meine fünf Mitarbeiterinnen und ich aneinander vorbeikommen und wir alle Massnahmen einhalten können. Auch das Einteilen der Kundinnen und Kunden ist extrem herausfordernd – wir dürfen nur jeden zweiten Platz im Salon besetzen. Würden wir schlecht planen, müssten sie draussen auf dem Trottoir warten.

In der Woche vor der Wiedereröffnung habe ich hunderte von Telefonanrufen entgegengenommen. Alle wollten wieder ihre Haare schneiden lassen. Es ist schön, dass wir jetzt so gefragt sind. Bis letzten Freitag hatten wir kein klar vorgegebenes Schutzkonzept. Hätten wir nicht selbst aufs Geratewohl Schutzmaterial organisiert, wäre der Start diese Woche nicht möglich gewesen.

Es ist speziell, anderen Menschen wieder so nahe zu kommen, nachdem wir uns an Social Distancing schon fast gewöhnt haben. Vor einer Ansteckung habe ich keine Angst. Aber es ist irgendwie schon unheimlich, wenn wir alle eine Maske tragen.

„Würden wir schlecht planen, müssten sie draussen auf dem Trottoir warten.“

Daniela Wildisen

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Eigentlich hätten wir jetzt alle Hände voll zu tun. Doch die vielen Feiertage, die im Luzernischen nun anstehen, bringen uns noch mehr in Verzug und erfordern von den Kunden zusätzlich Geduld. Hier in Hitzkirch feiern wir zum Beispiel den St. Pankratius, haben Sie das gewusst?

Ich bin von Natur aus ein sehr positiver Mensch, doch der Lockdown hat mir zu schaffen gemacht. Die Löhne, die Kosten, alles läuft weiter. Zwar konnte ich Kurzarbeit anmelden, das Geld liess aber auf sich warten. Also musste ich alles aus dem eigenen Sack berappen. Das geht ans Eingemachte. Meine Philosophie, meine Mitarbeiterinnen am Erfolg des Geschäfts teilhaben zu lassen, bedeutet halt auch, dass da nicht endlos Reserven vorhanden sind.

Erschwerend kommt hinzu, dass ich im Dezember entschieden hatte, das Geschäft externer Linkim kommenden Sommer zu übergeben. Ich war in den letzten Jahren beruflich sehr eingespannt, jetzt will ich mehr Zeit mit meiner Familie verbringen und habe einen kleinen Salon bei uns zu Hause eingerichtet. Wegen der ausserordentlichen Lage werde ich nun wohl sehr viele Kundinnen und Kunden nicht persönlich verabschieden können. Das macht schon wehmütig.

Die Krise hat auch positive Seiten. Die Leute schätzen das lokale Gewerbe wieder. Das habe ich auch bei mir selbst gemerkt. Anstatt das Mobiliar für meinen neuen Salon irgendwo zu bestellen, konnte ich den Schreiner vor Ort berücksichtigen. Das ist doch toll! Wir haben Glück, dass wir, im Gegensatz zu anderen Ländern, in der Schweiz finanziell unterstützt werden. Auch wenn das Administrative sehr kompliziert ist und es sehr aufwändig ist, zu den richtigen Informationen zu kommen. Trotzdem: Unser Land wird jetzt doch von vielen noch einmal mehr geschätzt.“

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